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Sozialdienst katholischer Frauen e.V.

Stellungnahmen

Der SkF setzt sich mit Stellungnahme des Deutschen Ethikrates zur vertraulichen Kindesabgabe auseinander
Der SkF (Sozialdienst katholischer Frauen) bietet bundesweit mehrere Babyklappen an. Nach der Stellungnahme des Ethikrates zu Babyklappen und anonymer Geburt ist dazu eine öffentliche Diskussion entstanden. Den betroffenen schwangeren Frauen und Müttern soll in ihrer Not zu geholfen werden. Gleichzeitig gilt es, die Rechte der Kinder auf Kenntnis ihrer Herkunft zu wahren. Der Deutsche Ethikrat hat unter anderem die Empfehlung ausgesprochen, Babyklappen und das Angebot anonymer Geburt aufzugeben und im Gegenzug die vertrauliche Kindesabgabe gesetzlich zu regeln. Babyklappen sind Wärmebettchen, in die Neugeborene anonym gelegt und so zur Adoption freigegeben werden können. Bei anonymen Entbindungen, die in über 100 Krankenhäusern bundesweit angeboten werden, gibt die Mutter ihre Identität nicht preis und lässt ihr Kind nach der Geburt in der Sicherheit des Krankenhauses zurück. Das Votum des Ethikrates wurde nicht einstimmig gefasst. Sechs Mitglieder entschieden sich für ein Sondervotum, in dem sie im Interesse des Lebensschutzes eine Duldung bestehender Babyklappen für vertretbar halten und eine weitere gesetzliche Regelung ablehnen. Demgegenüber fordert der SkF, selbst Betreiber von Babyklappen, seit 2004 eine bundesweite qualifizierte wissenschaftliche Auswertung als Grundlage einer kritischen Diskussion. Die Erfahrungen mit Babyklappen und anonymer Geburt könnten so bei einer gesetzlichen Neuregelung berücksichtigt werden. Insofern begrüßt der SkF ausdrücklich, dass die Bundesregierung aktuell das Deutsche Jugendinstitut mit einer entsprechenden Studie beauftragt hat. Die langjährige Erfahrung des SkF zeigt, dass es Frauen gibt, die in akuten Not- und Konfliktsituationen niemanden in ihrem Umfeld haben, dem sie sich anvertrauen können. Als Frauenfachverband war und ist es dem SkF wichtig, diese Frauen so frühzeitig wie möglich zu erreichen, um ihnen individuelle Beratung, Hilfe und Begleitung anzubieten. So soll verhindert werden, dass sie alleine, heimlich und ohne medizinische Versorgung irgendwo ihr Kind zur Welt bringen. Die Babyklappe ist dabei nur eines von unterschiedlichen Angeboten des SkF für verzweifelte Frauen am Ende der Schwangerschaft. Weitere sind die anonyme Beratung von Schwangeren, auch mittels einer 24-Stunden-Hotline. Nach der Kontaktaufnahme über die Telefon-Hotline besteht auch die Möglichkeit der „Arm-zu-Arm-Übergabe“ des Neugeborenen. Dabei kann der Mutter für einige Stunden die Möglichkeit gegeben werden, sich auszuruhen.


und in beschützter Umgebung ihre Situation zu überdenken. Zudem gibt es das Angebot einer „vertraulichen Geburt“ in Krankenhäusern. Bei der „vertraulichen Geburt“ geben Frauen ihre Daten an. Die Daten werden streng vertraulich behandelt und nicht weitergegeben. Das Kind kann dann im Rahmen einer Inkognito-Adoption von einer Familie aufgenommen werden. Dabei wissen die Adoptiveltern und das Kind den Namen der leiblichen Mutter zwar nicht, das Kind kann aber ab einem bestimmten Alter und innerhalb eines geregelten Verfahrens Kenntnis über seine Herkunft erlangen. Beim SkF als Träger von Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe hat das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung einen sehr hohen Stellenwert. Es gibt aber Situationen, in denen die Angst der Frauen so groß ist, dass sie zunächst nur über einen anonymen Zugang erreicht werden können. Nach den Erfahrungen des SkF geben ca. 75% der Frauen im Laufe des Beratungsprozesses ihre Anonymität auf, wenn sie sich darauf verlassen können, dass sie in einem geschützten Raum sind und ihre Daten vertraulich behandelt werden. Existentielle Nöte von Müttern und ihren Kindern müssen ernst genommen werden und es ist daher gut, dass sie durch die aktuelle Diskussion verstärkt in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses gerückt sind. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Schutz von Kindern heute eine stärkere gesellschaftliche Lobby hat. Nun müssen die Ergebnisse der in Auftrag gegebenen Studie abgewartet werden, um auf dieser Grundlage wirksame Wege zu entwickeln, wie das Leben neugeborener Kinder am wirksamsten geschützt werden kann. Es darf bei einer gesetzlichen Regelung, die das Leben von Neugeborenen bewahren helfen soll, nicht um Meinungen gehen. Solange gesicherte Erkenntnisse fehlen, sollten alle Wege für Frauen in Not offen bleiben, auch wenn dadurch vielleicht auch nur ein einziges Kind am Leben bleiben kann. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart betreibt der SkF keine Babyklappen. Der SkF Stuttgart macht vielfältige Angebote für Schwangere, junge Mütter und ihre Kinder, um in schwierigsten Lebenssituationen Halt und Unterstützung zu ermöglichen. Über die E-Mail-Beratung des SkF, die von der Homepage www.skf-stuttgart.de aus erreichbar ist, oder in den Schwangerschaftsberatungsstellen entsteht oft der erste Kontakt. Betreute Gruppen für junge Mütter und ihre Kinder, wie z.B. beim Projekt Mirjam, Wohnangebote für Alleinerziehende sowie Kinderbetreuung bieten Unterstützung in den ersten Lebensjahren des Kindes. Mit diesem Konzept der Frühen Hilfen kann für die Kleinsten und Schwächsten ein guter Start ins Leben gelingen.
Therese Wieland, Vorsitzende
 

 
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